Making of - Shooting Florence

Geschrieben von Manuel Faessler
Hallo Zusammen,

da ich immer wieder nach meinen Lichtsetups und Kameraeinstellungen gefragt werde, möchte ich diese in Zukunft jeweils in einem kleinen Blogbeitrag erklären (erspart mir das „immer wieder erklären", und ich habe am Schluss auch eine kleine Sammlung an Setups). Von einem Shooting gibt es ja bereits einen Blogpost, falls ihr ihn noch nicht gesehen habt, hier ist er.

Dieses Mal gehts um mein Shooting mit Florence. Das Shooting war als Low-Key-Schwarz-Weiss-Shooting geplant und ich habe mir bewusst mehrere aufwändigere und schwierigere Setups überlegt (und gehofft, dass sie auch so funktionieren, wie ich mir das vorgestellt habe). Aus diesem Shooting möchte ich hier zwei Setups zeigen und inkl. aller Kamera-Einstellungen und Überlegungen erklären.

Ich möchte euch vorab schon um Entschuldigung für meine nicht vorhandenen Malkünste bitten ... ich denke die Skizzen unterstützen meine Erklärungen so gut, dass jeder weiß um was es geht ... ich muss mir echt mal so ein Setup-Skizzierprogramm zulegen ... ;-)

Set 1 – Zangenlicht

Bilder und Setup-Skizzen Set 1234

Im Prinzip war meine Grundidee, das Licht auch wirklich NUR dort zu haben, wo ich es haben wollte. Und ich wollte nur mit Lichtkanten und Formen spielen, ohne wirklich viel zu zeigen ... quasi dem Betrachter und seiner Fantasie freien Lauf lassen und doch ein schön aufgebautes Low-Key zu bekommen. Das Ganze auch noch in Schwarz-Weiss um es wirklich auf das Wesentliche zu reduzieren ... ich liebe es einfach!! Ich finde so eine „reduzierte Konzentration" einfach genial und könnte mich ewig daran versuchen ... und Bilder in dem Stil stundenweise ansehen, ohne dass mir langweilig werden würde.

Wie man im Grundriss sehen kann, habe ich vor einem schwarzen Papierhintergrund fotografiert, den ich bis weit nach vorne zu meiner Fotografenposition gezogen habe, einfach um jede Reflexion auszuschalten. Zusätzlich habe ich auf den „offenen" Seiten jeweils zwei Abschatter (bei mir Styroporplatten mit einer schwarz angemalten Seite in einem Holzfuss, ca. 2m hoch und 1m breit) mit der schwarzen Seite nach innen aufgebaut. Zwischen den seitlichen Abschattern habe ich jeweils einen Blitz mit Striplight (30x120 cm – hochkant, ohne Frontdiffusor, ohne Grid) platziert. Genau dazwischen habe ich eine Holzkiste gestellt, die ich mit einem schwarzen Stoff abgedeckt habe. Wie in der zweiten Skizze ersichtlich habe ich die Striplights ganz leicht (vielleicht etwa 10°) nach unten gerichtet, einfach um das Podest doch noch etwas zu beleuchten. Die beiden Abschatter zum Fotografen habe ich nur sicherheitshalber positioniert, damit auch aus dem Raum hinter mir keinerlei Licht auf das Model fällt (ich denke, die waren unnötig).

Der Spalt zwischen den beiden seitlichen Abschattern war noch ein wenig schmaler als die Softboxen selbst ... ich würde sagen so ca. 20 cm ... also wirklich nur ein sehr schmaler Lichtstreifen. Den (aus Fotografensicht) rechten Blitz habe ich um ca. ½ Blende niedriger eingestellt als den linken, einfach um trotz des sehr symetrischen Aufbaus einen Lichtabfall hinzubekommen – ein „Hauptlicht" wenn man so will.

Die Kameraeinstellungen waren recht unspektakulär, ISO 100, 1/160s (eh klar – war ja Studio), Blende f9 (um das Umgebungslicht komplett auszuschalten und auch wegen der Schärfentiefe) an meiner Canon 5DIII (Vollformat) und meiner Lieblingslinse Sigma 85mm f1.4 EX DG.

Währende dem Shooten gilt es dann das Model SEHR genau zu lenken und zu leiten (für mich ist das Einstelllicht Pflicht – nur so, kann man erahnen, wie das Licht genau fallen wird), da das Lichtband sehr schmal ist und auch je nach Pose die Lichtkanten sehr unterschiedlich ausfallen. Auch die Gefahr, dass sich das Model selbst Schatten wirft ist sehr hoch. Ein verschieben der Pose nur um wenige Zentimeter kann schon eine sehr große Auswirkung haben – Florence hat das meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt!!

Set 2 – Gegenlicht

Bilder und Setup-Skizzen Set 22

Hier war meine Grundidee eine Gegenlichtsituation zu schaffen, aber auch das Model von vorne leicht zu belichten. Im Prinzip wollte ich ein sehr weiches Fensterlicht „nachbauen", aber trotzdem in Low-Key und vor schwarz.

Wie man in der Grundriss-Skizze sehen kann, habe ich wieder vor dem schwarzen Hintergrund (auch hier wieder bis zum Fotografen vorgezogen) fotografiert. Die Abschatter habe ich dieses Mal jedoch so positioniert, dass sie an beiden Ecken ein „L" geformt haben, mit den weißen Seiten jeweils nach aussen (die schwarzen Seiten vom Model weg). Zusätzlich dazu habe ich noch die 2 letzten Abschatter vor meiner Fotografenposition platziert, mit der weißen Seite zum Model. Dieses Set habe ich um einiges enger aufgebaut (aufbauen müssen).

Die Blitze (mit Striplight 30x120 und Frontdiffusor) habe ich jeweils in das hintere Abschatter-L gestellt, so dass das Model von hinten mit indirektem, sehr weichem Licht ausgeleuchtet wird (wie ich auf der Skizze angedeutet habe, steht der Abschatter parallel zum Hintergrund jeweils etwas vor). Durch die zwei vorderen Abschatter (die auch als Reflektoren fungieren) wird noch indirekteres, noch weicheres und auch schwächeres Licht (Licht nimmt ja mit der Entfernung zum Quadrat ab) von vorne auf das Model reflektiert.

Auch hier habe ich die Kameraeinstellungen sehr konservativ gewählt, wieder mit ISO 100, 1/160s (ja, immer noch im Studio), Blende f9 wegen Umgebungslicht und Schärfentiefe und immer noch mit meiner Canon 5DIII (eine Phase One wollte mir leider niemand zur Verfügung stellen ...) und meinem Lieblings Sigma 85 mm f1.4 EX DG.

Hier ist das Model von der Position her etwas „freier", da der Raum zwar relativ knapp bemessen ist, aber relativ gleichmäßig ausgeleuchtet wird. Allerdings sind hier die Posen etwas eingeschränkter, da das Zusammenspiel aus Lichtkanten und Beleuchtung von vorne „heikler" ist. Hier habe ich zugegebenermaßen einiges an Ausschuss produziert, einfach weil diese Balance nicht stimmt und entweder die Lichtkanten an der falschen Stelle ist, oder auch die Belichtung von vorne zu stark oder schwach ist.

Basierend auf diesem Setup und auf den Erfahrungen damit habe ich mir für das nächste Shooting in dieser Richtung ein neues Setup überlegt, mit dem ich das Licht etwas härter machen will und auch die Nachteile dieses Setups beseitigen will ... ihr dürft gespannt sein, ich werde das hier sicherlich posten.

Ich habe bei diesem Shooting noch zwei weitere, eher einfache Setups umgesetzt, falls ihr diese auch noch sehen wollt, lasst es mich bitte wissen ... andernfalls werde ich dann erst wieder von den nächsten Shootings schreiben.

Falls ihr noch weitere Fragen zu dem Thema habt, könnt ihr mich gerne kontaktieren, entweder unter diesem Beitrag als Kommentar, per e-mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder über Facebook. Ich werde mein Bestes geben, euch die Fragen so gut wie möglich zu beantworten.

Wenn ihr meine Themenauswahl für zukünftige Posts beeinflussen wollt, schreibt mir doch bitte, welche Themen euch interessieren würden, bzw. welche Fragen ihr von mir gerne beantwortet hättet.

Und wie immer: wenn es euch gefällt (oder auch nicht), lasst es mich wissen, verbreitet den Beitrag, drückt „gefällt mir", usw. Ich freue mich über jedes Feedback!!!

Cheers,
Manuel

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